Mit Licht, Wisch und Segen

Voka­tion­skurs für Sach­sen-Anhalt

15 Lehrerin­nen und Lehrer feierten am Fre­itag ihre Voka­tion im Kloster Drübeck. Der dazuge­hörige zweitägige Voka­tion­skurs am 12./13.03.2026 kreiste um Fragestel­lun­gen zu Neu­tral­ität, Authen­tiz­ität und Posi­tion­al­ität.

In der aktuellen bil­dungspoli­tis­chen und kirch­lichen Diskus­sion rück­en zen­trale Fra­gen rund um die Voka­tion von Lehrkräften zunehmend in den Fokus. Dabei geht es nicht nur um die for­male Beauf­tra­gung zur Erteilung von Reli­gion­sun­ter­richt, son­dern auch um die damit ver­bun­dene Hal­tung, Ver­ant­wor­tung und Selb­stveror­tung im Span­nungs­feld von Neu­tral­ität und Posi­tion­al­ität.

“Das ist doch nur ein Wisch.”

Lehrkräfte, die im kirch­lichen Auf­trag unter­richt­en, bewe­gen sich in einem beson­deren pro­fes­sionellen Rah­men: Ein­er­seits sind sie dem staatlichen Bil­dungsauf­trag verpflichtet, der weltan­schauliche Offen­heit und Neu­tral­ität ver­langt. Ander­er­seits ste­hen sie für eine kon­fes­sionelle Per­spek­tive, die im Reli­gion­sun­ter­richt bewusst sicht­bar und reflek­tier­bar sein soll. Diese Gle­ichzeit­igkeit stellt keine Wider­sprüch­lichkeit dar, son­dern bildet vielmehr den Kern eines dial­o­gis­chen Bil­dungsver­ständ­niss­es.

Die soge­nan­nte Posi­tion­al­ität eröffnet dabei Räume für echte Auseinan­der­set­zun­gen und ermöglicht Schü­lerin­nen und Schülern, eigene Stand­punk­te zu entwick­eln. Neu­tral­ität bedeutet in diesem Kon­text nicht Wert­frei­heit, son­dern die faire und respek­tvolle Begleitung plu­raler Sichtweisen.

Mit der Voka­tion geht daher eine beson­dere Verpflich­tung ein­her: Lehrkräfte übernehmen Ver­ant­wor­tung dafür, dass ihre Schü­lerin­nen und Schüler Kom­pe­ten­zen sachgerecht, dial­o­gisch und leben­snah erwer­ben kön­nen. Sie sind zugle­ich päd­a­gogis­che Fachkräfte und authen­tis­che Gesprächspart­ner­in­nen und ‑part­ner in Fra­gen von Reli­gion und Ethik.

“Im Abend­segen waren wir ganz dicht beieinan­der.”

Zugle­ich ist die Voka­tion Aus­druck eines Ver­sprechens der Kirche. Sie sig­nal­isiert Ver­trauen in die fach­liche und per­sön­liche Eig­nung der Lehrkräfte und bekräftigt die gemein­same Auf­gabe, religiöse Bil­dung in ein­er offe­nen Gesellschaft zu gestal­ten. Dieses Ver­sprechen ist keine ein­seit­ige Beauf­tra­gung, son­dern eine wech­sel­seit­ige Beziehung, die von Ver­ant­wor­tung, Reflex­ion und kon­tinuier­lich­er Weit­er­en­twick­lung geprägt ist. Und es find­et seinen Aus­druck im Segen.

“Ihr seid das Licht. Und das Salz. Es kann die Stadt, die auf dem Berg liegt, nicht ver­bor­gen bleiben.”

In ein­er Zeit wach­sender gesellschaftlich­er Vielfalt kommt dieser Bal­ance zwis­chen Neu­tral­ität und Posi­tion­al­ität eine beson­dere Bedeu­tung zu. Reli­gion­sun­ter­richt kann so zu einem Ort wer­den, an dem Dif­ferenz nicht nur aus­ge­hal­ten, son­dern pro­duk­tiv genutzt wird – im Sinne ein­er Bil­dung, die Ori­en­tierung bietet und zugle­ich Offen­heit wahrt.